MSDS-Europe – Kompass zur chemischen Sicherheit – Digitales Etikett unter CLP: Pflichten, Unternehmensmaßnahmen und technische Umsetzung (QR-Code)
Kurz gesagt: Nach der CLP-Änderung kann ein digitales Etikett freiwillig genutzt werden, es entbindet jedoch nicht von der verpflichtenden Gefahrenkommunikation, die auf dem physischen Etikett stehen muss.
Der Schlüssel zur Compliance ist ein Unternehmensprozess, der parallel Einstufung, Kennzeichnung, das Sicherheitsdatenblatt (SDB) sowie Updates der digitalen Schnittstelle steuert – auditierbar und für den langfristigen Betrieb ausgelegt.
Die Verordnung (EU) 2024/2865 änderte die CLP-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1272/2008) u. a., um sicherzustellen, dass der Rechtsrahmen mit Online-Vertrieb und neuen Vertriebsmodellen Schritt hält.
Eine praktische Botschaft der Änderung: Der Gesetzgeber erlaubt mehrere Instrumente, um „Platzmangel“ auf Etiketten zu lösen (z. B. ein ausklappbares Etikett und digitale Kennzeichnung) – während kritische Sicherheitsinformationen und Gefahrenpiktogramme auf der Verpackung verbleiben müssen.
Die geänderte CLP trat am 10. Dezember 2024 in Kraft und sieht für mehrere Pflichten Übergangsfristen vor.
Praktisch wichtig: Eine „Stop-the-clock“-Änderung im Jahr 2025 verschob mehrere Anwendungszeitpunkte weiter auf den 1. Januar 2028 – insbesondere Regeln für Online-/Fernabsatz, Werbung, bestimmte Formatvorgaben sowie einige Pflichten zur Neukennzeichnung.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Die Verschiebung ist keine „Auszeit“, sondern eine Gelegenheit, technische und organisatorische Compliance 2026–2027 im Pilotbetrieb aufzubauen, damit der Prozess ab 2028 routiniert und belastbar läuft.
Neue CLP-Vorschriften für Webshops: Kennzeichnung und Werbung (ab 2028)
Die Logik des digitalen Etiketts ist einfach: Es ergänzt – es „ersetzt“ nicht. Das physische Etikett bleibt verpflichtend, auch wenn ein QR-Code verwendet wird.
Muss auf der Verpackung verbleiben (verpflichtend):
Warum ist dieses physische Minimum so strikt?
Die typische Rolle eines digitalen Etiketts ist, zusätzliche Informationen strukturiert, mehrsprachig und schnell aktualisierbar bereitzustellen – klar getrennt von Marketing oder anderen Inhalten.
In der Praxis kann das beinhalten:
Bei digitaler Kennzeichnung beginnt Compliance nicht mit dem Druck eines QR-Codes – sondern mit dem Aufbau eines qualitätsgesicherten Dienstes.
Informationen, die über das digitale Etikett bereitgestellt werden, sollten:
Informationen des digitalen Etiketts müssen „an einem Ort“ angezeigt werden – getrennt von anderen Inhalten (besonders wichtig, wenn weitere Unternehmensinhalte unter derselben Domain gehostet werden).
Zweck des digitalen Etiketts sind Sicherheitsinformationen. Daher sollte eine Compliance-taugliche Lösung in der Praxis Nutzer-Tracking minimieren (insbesondere Marketing-Tracking).
Empfohlener technischer Ansatz: ein eigener „Digitales-Etikett“-Unterbereich (Subdomain oder Pfad) ohne Marketing-Pixel und ohne zielgerichtete Cookies; nur minimales, dokumentiertes Logging, das für den Betrieb erforderlich ist.
Informationen, die über das digitale Etikett veröffentlicht werden, müssen mindestens 10 Jahre zugänglich bleiben. Das ist nicht nur Hosting, sondern Business-Continuity (Domainwechsel, System-Upgrades, Übernahmen).
Der QR-Code ist Teil der Verpackung und muss den Belastungen standhalten, die sich aus der Natur des Produkts ergeben (Reibung, Feuchtigkeit, chemische Einwirkung).
Empfohlen:
Die folgenden Schritte funktionieren auch, wenn das digitale Etikett schrittweise eingeführt wird.
Ein digitales Etikett ist nur dann sicher, wenn die physische Compliance stabil ist:
Erstellen Sie ein internes Datenmodell (Felder, Sprachen, verpflichtende/empfohlene Elemente) und ergänzen Sie eine Versionskontrolle:
Empfohlenes Muster:
Auf Aufbewahrung auslegen:
Unter der geänderten CLP hängt die Frist für eine Aktualisierung des Etiketts von der Art der Änderung ab: Sie kann nur 6 Monate betragen (z. B. neue Gefahrenklasse oder strengere Einstufung bzw. neue ergänzende Kennzeichnungspflichten), in anderen Fällen 18 Monate.
Daher ist Best Practice, in einem integrierten Workflow zu steuern:
Wenn Ihr Portfolio Gemische enthält, achten Sie besonders auf die neuen Gefahrenklassen-Pflichten für Gemische ab 1. Mai 2026: Das löst typischerweise eine koordinierte Überprüfung von Einstufung, Kennzeichnung und SDB aus.
CLP 2026: Neue Gefahrenklassen für Gemische – was ist zu tun
Bei Gemischen überschneidet sich Kennzeichnung häufig mit Pflichten gegenüber Giftinformationszentren (UFI und PCN). Für einen sicheren Betrieb empfiehlt sich eine einheitliche „Dossier-Logik“: Die für PCN gemeldeten Informationen sollten mit Etikett und SDB konsistent sein.
Die CLP-Revision stärkt Anforderungen an die Online-Darstellung (Sichtbarkeit von Gefahreninformationen im Web); mehrere zusammenhängende Pflichten wurden auf 2028 verschoben. Nutzen Sie 2026–2027, um Daten zu bereinigen, Schnittstellen aufzubauen und Pilotprojekte durchzuführen.
Eine rechtlich und operativ belastbare Seite für das digitale Etikett umfasst typischerweise:
Ein digitales Etikett ist nicht dasselbe wie ein Digitaler Produktpass, aber die zugrunde liegenden Fähigkeiten überschneiden sich teilweise (Kennungen, Datenqualität, Versionskontrolle, langfristige Verfügbarkeit).
Die ESPR führt das Konzept des Digitalen Produktpasses (DPP) ein, um die elektronische Verfügbarkeit von Nachhaltigkeits- und Compliance-Informationen zu unterstützen.
Die 3 Säulen der Compliance:
Als nächsten Schritt erzielen viele Unternehmen schnelle Fortschritte, indem sie zuerst die rechtliche Compliance des Etikettenentwurfs prüfen und bei Bedarf aktualisieren – und parallel die „Minimum“-Spezifikation der Landingpage für das digitale Etikett definieren, deutlich vor 2028.
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